Chronik 1720 - 1950



Bis 1978 ging man davon aus, dass in Aitrang seit dem Jahre 1810 eine Musikkapelle bestand. Als für den Antrag zur Verleihung der Pro Musica Plakette erneut in den Quellen geforscht wurde, fand man jedoch heraus, dass schon 90 Jahre früher eine Blaskapelle in Aitrang musizierte. Daher wurde 1979 der Kapelle vom Verleihungsausschuss eine Tradition seit 1720 bescheinigt.

Somit ist die Aitranger Blaskapelle die zweitälteste Musiziergemeinschaft im Bezirk IV Marktoberdorf des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes (ASM).

 


Geschichte Aitrang Chor Bläser und Streicher aus Geschichte

 

 

Warum wird wohl gerade in Aitrang schon so lange Musik gepflegt?

Vielleicht liegt es daran,  dass hier häufig Orgelbauer ansässig waren.

Namentlich bekannt sind 

Felix Ramis (1649), Max Ehinger (1696), Balthasar Freywiß (1784) und Franziskus Thoma (1800).

 

Es wird erzählt, dass sie auch über die Orgelmusik hinaus die musikalische Bildung förderten. So gab es  verschiedene Gruppen, wie Chor, Streichorchester und auch Bläser.

 

 

Über die Anfänge der Blasmusik steht in der Heimatchronik von Josef Abletshauser, dass ab 1720 die Chor- und Blechmusiker Haus-Nr. 63, genannt "Bräuwirt" ihre Proben abhielten, bis sie 1740 mit dem Wirt Waldvogel uneins geworden sein sollen.

 

Aus den Jahren 1750, 1764, 1766 und 1786 sind Noten vorhanden, die sich im Besitz der Gemeinde befinden und auf das Bestehen einer Kapelle in Aitrang schließen lassen. Wie ernst schon damals Musiker ihre Sache genommen haben, zeigt ein Schreiben vom 21. November 1805, das sich im Besitz der Kapelle befindet:

 

Freund Müller!

 

 Wenn Du mit Ehren bestehen willst,

so überblase beiliegende Stimme,

bevor es zum Haupttreffen kommt,

es könnten Dich sonst die gerechtesten Vorwürfe treffen.

 

Nebst Begrüßung

 

Dein Freund Waibel

 


 Am 29. September 1856 fand in Aitrang ein großes Landwirtschaftsfest statt, bei dessen Beschreibung zu lesen ist, dass der "Musigchor" von Aitrang im Parademarsch den Zug eröffnete. Weiter steht dort: "Schlag neun Uhr, wurde zu Ehren des beliebten Festgastes von hiesiger Musig eine Serenade dargebracht". (Quelle: Festschrift der Musikkapelle Aitrang 1990)


1865 wird von einer 7stimmigen Musik mit folgender Besetzung berichtet:

 

Johann Moser, Münzenried - Klappenhorn             Josef Moser - Es-Trompete

Anton Bauer - Althorn                                                  Johann Heuße - C-Althorn (Baß)

Josef Huber - Klarinette                                               Johann Martin - Klarinette

Benedikt Eberle, Münzenried - Althorn

 

Da stellt sich die Frage, was ist ein Klappenhorn und wie sieht ein Althorn aus?



Musikkapelle von 1884 aus Aitrang im Ostallgäu
Musikkapelle Aitrang 1884 sitzend von links: Alois Böck, Ulrich Müller, Adolf Lipp sen., Josef Zanker, stehend: Benedikt Hefele, Otto Lipp, Anton Schindele, Lehrer Hach (Dirigent), Georg Eberle, Johann Eberle, Michael Dietrich.

 

 

 

 

 

1884 bestand die Kapelle aus 10 Männern, die unter der Leitung von Lehrer Hach musizierten.

Als die Musikkapelle bei der Kircheneinweihung in Blöcktach spielte, war Bischof Pankratius voll des Lobes über die Musik und schenkte Georg Eberle, dem Solisten auf der C-Trompete, ein Geldstück.

 

 

 


 Im Jahre 1913 verjüngte Alois Böck, der damalige Dirigent, die Kapelle, so dass bei der Installation von H. H. Pfarrer Balleis alle Musiker         12 - 17 Jahre alt waren, mit Ausnahme von Josef Zanker, dem Bassisten. Während des 1. Weltkriegs kam das musikalische Schaffen auch in Aitrang fast zum Erliegen, weil die meisten Männer an der Front ihren Dienst verrichteten.

Am 15. Oktober 1915 mussten die wenigen Musiker, die noch im Ort waren, ihrem langjährigen Dirigenten Böck zum letzten Geleit spielen. Nach dem Krieg baute Rudolf Schindele als Dirigent die Kapelle mit jungen Kräften wieder neu auf, da auch einige Musiker aus dem Krieg nicht mehr heimkehrten.

1921 übernahm der Schmiedemeister Fridolin Krün aus Günzach das Dirigentenamt. Er leistete mit den Musikern Beachtliches, denn es wird von vielen Auftritten unter seiner Leitung berichtet. Im Fasching 1924 begannen die weit über Aitrang hinaus bekannten Bockmusikabende – Unterhaltungsabende der Musikkapelle – die sich großer Beliebtheit erfreuten.

 

Wegen des schweren Zugunglücks in Aitrang am 9. Februar 1971 wurde die für dieses Jahr geplante Veranstaltung abgesagt.                   Seither gab es keine Bockmusikabende mehr in Aitrang.


Musikkapelle Aitrang 1928

 

 

 

 

Von 1926 bis 1933 übernahm Rudolf Schindele noch einmal die Leitung der Kapelle, dann wurde er von Adolf Lipp abgelöst, der jedoch schon ein Jahr später starb.

Wieder fand sich ein Mitglied der Musikkapelle bereit, die Leitung zu übernehmen.

Mit Hans Zanker wurde ein Dirigent gefunden, der sich mit Leib und Seele der Musik verschrieben hatte. 

 

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Musikkapelle 1928

von links liegend: Hans Zeller, Ignaz Einsiedler; sitzend: Nikolaus Bräckle, Anton Bräckle, Rudolf Schindele, Adolf Lipp, Otto Mair; 

stehend 1. Reihe: Georg Lipp, Johann Hailand, Hans Zanker, Sebastian Einsiedler, Hans Bräckle, Alfons Hoderried, Andreas Schweinberger, Georg Hartmann;                       2. Reihe: Josef Bräckle, Xaver Britzelmayr, Anton Moser, Josef Speiser, Rupert Holderried, Franz Martin, Ulrich Bayrhof


1934 wurde die Musikkapelle in den Süddeutschen Musikverbund aufgenommen und aus diesem Anlass zum ersten Mal in der Geschichte der Kapelle eine Vorstandschaft gewählt: 1. Vorstand, Anton Bräckle; 2. Vorstand, Georg Hartmann; Kassier, Otto Mair; Schriftführer, Nikolaus Bräckle. Im gleichen Jahr trat die Musikkapelle auch dem Allgäu-Schwäbischen Musikbund (damals Allgäuer Musikbund) bei.         Zu dieser Zeit bestand die Kapelle aus 20 aktiven Musikern.

1938 besuchte Hans Zanker den angeordneten Dirigentenkurs auf der Ordensburg in Sonthofen. Ihm wurde auf Grund sehr großen Eifers und sehr gutem Erfolgs die Fähigkeit und Berechtigung zur Leitung einer Laienkapelle ausgesprochen.

Während des 2. Weltkriegs ging die Zahl der Musiker stark zurück, doch die gute Zusammenarbeit mit benachbarten Kapellen ermöglichte es immer wieder, dass bei Gottesdiensten für gestorbene und gefallene Mitglieder in allen Gemeinden musiziert werden konnte.

1948 konnte eine große Zahl junger Musiker an Allerheiligen ihren ersten Auftritt wagen, weil Hans Zanker die Kapelle mit großen Engagement wieder aufgebaut hatte.

Musikkapelle Aitrang mit Hans Zanker in Obergünzburg
Musikkapelle Aitrang mit Hans Zanker in Obergünzburg

 

 

 

 

1949 beschlossen Vertreter der Kapellen aus Altdorf, Ebenhofen, Obergünzburg, Oberthingau, Reinhardsried, Unterthingau und Aitrang bei einer Zusammenkunft in Aitrang die Gründung des Bezirks IV im Allgäu-Schwäbischen Musikbund.

Der Aitranger Dirigent, Hans Zanker, wurde zum Vorsitzenden gewählt

und am 23. April 1950 bei der ersten Jahresversammlung zum Bezirksleiter des ASM bestimmt.

Am 2. Weihnachtsfeiertag 1950 gestaltete die Musikkapelle Aitrang das Jahreskonzert und begann damit eine bis heute andauernde Tradition.

 

                                                                                                 

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